Schneider Ammann vernichtet Bildungsleistungen

Seit heute können Pflegefachpersonen mit einem Schweizer Diplom nachträglich den Fachhochschultitel beantragen. Nur wenige qualifizierte Pflegefachpersonen sind zugelassen.

Nach fast zehn Jahren Wartezeit können endlich auch Pflegefachpersonen nachträglich den Fachhochschultitel beantragen. Zahlreiche anerkannte Nachdiplomstudiengänge werden jedoch nicht berücksichtigt. Das WBF von Bundesrat Johann Schneider Ammann vernichtet so die Bildungsinvestitionen von unzähligen Pflegefachpersonen und Betrieben des Gesundheitswesens.

Das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung von Bundesrat Schneider Ammann hat auf den ersten Januar die Verordnung über den nachträglichen Erwerb des Fachhochtitels (NTE) in Pflege in Kraft gesetzt, seit heute sind die notwendigen Formulare online

Beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK hält sich die Freude darüber in sehr engen Grenzen. Denn obwohl der Verband, über 1100 seiner Mitglieder, und mit ihnen diverse Kantone und Arbeitgeber sich in der Vernehmlassung für eine offenere Lösung ausgesprochen hatten, wurde eine äusserst restriktive Regelung in Kraft gesetzt. Daher kann nur eine Minderheit der Pflegefachpersonen mit Nachdiplomausbildungen nachträglich den Fachhochschultitel beantragen.

Für den NTE direkt qualifiziert sind einzig PflegeexpertInnen mit einer Höheren Fachausbildung Stufe 2 (HöFa II). Diplomierte Pflegefachpersonen mit HöFa I müssen einen zusätzlichen Nachdiplomkurs auf Hochschulstufe im Umfang von mindestens 200 Lektionen oder 10 ECTS nachweisen.

Alle anderen Nachdiplomstudiengänge, wie z.B. die bewährten NDS in Intensiv-, Anästhesie- oder Notfallpflege werden ebenso wenig angerechnet wie eine Vielzahl neuerer, qualitativ hochstehender DAS oder CAS. Die NTE-Regelung diskriminiert so in unzulässiger Weise Pflegefachleute, die in einen dieser Bildungsgänge investiert haben. Stossend ist zudem, dass diverse Weiterbildungen etwa bei den Hebammen oder ErgotherapeutInnen zum NTE berechtigten. Bei den Pflegefachpersonen werden diese nun gar nicht mehr berücksichtigt.

 

Zitate:

Barbara Gassmann, Vizepräsidentin des SBK:

„Der Entscheid blockiert die Karrieremöglichkeiten von 80 Prozent der hochqualifizierten Pflegefachleute. Das ist in Zeiten des Personalmangels ein völlig falsches Signal. Um Pflegefachpersonen mit grosser Berufserfahrung und nachweislich hochwertigen Weiterbildungen im Beruf zu halten, muss man ihnen Karrieremöglichkeiten bieten, und darf ihnen nicht unnötig Steine in den Weg legen. Aber auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist diese Regelung unverständlich. Es braucht in Zukunft mehr, auch akademisch ausgebildetes, Pflegefachpersonal, damit Patienten mit komplexen Krankheitsbildern die optimale Pflege erhalten. Das macht auch ökonomisch Sinn.“

Brigitte Neuhaus, Leiterin der Abteilung Bildung des SBK:

„Beim SBK rufen z.B. dipl. Expertinnen in Anästhesiepflege an, die ein Masterstudium an einer Fachhochschule ins Auge gefasst haben. Ihnen muss ich nun sagen, dass das nur möglich ist, wenn sie von vorne anfangen und ein, zwar leicht verkürztes, Bachelorstudium absolvieren. Das WBF schickt sie zurück auf Feld eins – und das zum Teil im Alter von 35 oder 40 Jahren. De facto ist mit der neuen Regelung die Situation sogar schlechter als vorher, da viele Fachhochschulen Brückenangebote abschaffen, die sie eingeführt hatten.“

Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des SBK:

„Diese Regelung diskriminiert die Pflegefachleute untereinander. Sie diskriminiert den Pflegeberuf gegenüber anderen Gesundheitsberufen. Und sie diskriminiert den Frauenberuf Pflege generell, weshalb wir das Dossier auch dem eidgenössische Büro für Gleichstellung vorlegen werden. Auch rechtliche Schritte behalten wir uns vor.“

Video: Interview mit SBK-Vizepräsidentin Barbara Gassmann zum NTE

Für Fragen steht zur Verfügung:

Barbara Gassmann, Tel. 031 388 36 36

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