Pflege-Exodus: Berufsausstiege stoppen – fünf Sofortmassnahmen umsetzen

Trotz Annahme der Pflegeinitiative verlassen mehr als 300 Pflegende pro Monat den Beruf. Das heizt die Versorgungskrise im Gesundheitswesen weiter an und eine gute Pflege kann auf Dauer nicht mehr sichergestellt werden. SBK, Syna, Unia und VPOD fordern die Umsetzung von fünf Sofortmassnahmen, um die Berufsausstiege zu stoppen. Am 26. November, ein Jahr nach Annahme der Pflegeinitiative, setzen die Pflegenden deshalb erneut gemeinsam ein Zeichen auf dem Bundesplatz.

(Gemeinsame Medienmitteilung von SBK, Syna, Unia und VPOD vom 15.9.2022)

Vor fast zehn Monaten hat die Schweizer Bevölkerung die Pflegeinitiative mit grossem Mehr angenommen, weil sie eine gute Pflege sicherstellen wollte. Doch die Situation im Gesundheitswesen verschlechtert sich rasant. Mehr als 300 Pflegende verlassen pro Monat den Beruf. Wenn es so weitergeht, kann eine angemessene – geschweige denn eine gute – Pflege bald nicht mehr sichergestellt werden. «Wir arbeiten mit immer weniger Personal und müssen immer mehr einspringen. Da ist es sehr frustrierend, dass die Politik sich nur langsam bewegt.», so Natalie Dohner, dipl. Pflegefachfrau und aktive Gewerkschafterin.

Versorgungskrise verschärft sich

Während Bund und Kantone sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben, verschärft sich die Versorgungskrise im Gesundheitswesen: In der Langzeitpflege steigt der Bedarf an Alters- und Langzeitpflege bis 2040 um 56 Prozent. Um diese Pflege zu erbringen braucht es entsprechend mehr Personal. In den Spitälern verhält sich die Situation genau gleich prekär: Offene Stellen und geschlossene Betten sind an der Tagesordnung.

Politik muss sofort handeln

Die Politik muss jetzt die Berufsausstiege mit fünf Sofortmassnahmen stoppen. Der SBK sowie die Gewerkschaften Unia, VPOD und Syna fordern:

  1. Löhne/Arbeitszeit: Deutliche Lohnerhöhung bei gleichem Pensum bzw. Arbeitszeitreduktion bei gleichem Lohn.
  2. Zulagen: Massive Erhöhung der bestehenden Zulagen und Zeitgutschriften sowie Einführung von Zulagen für kurzfristige Dienstplanänderungen.
  3. Ferien: mindestens 5 Wochen bis 49, ab 50 6 Wochen, ab 60 7 Wochen
  4. Tatsächliche Erfassung und Abgeltung der Arbeitszeit: Z.B. inkl. Umkleidezeit, Wegzeit von einem Einsatz zum nächsten in der Spitex.
  5. Kinderbetreuung: Zuschüsse für familienergänzende Kinderbetreuung.


Solange das benötigte Personal für eine gute Pflege fehlt, müssen Betten/Abteilungen geschlossen und in den Heimen Aufnahmestopps verhängt werden. Wir fordern die kantonalen Arbeitsinspektorate dazu auf, das geltende Arbeitsgesetz konsequent durchzusetzen und öffentlich darüber Bericht zu erstatten.

Gemeinsam machen wir Druck

Die Pflegenden bleiben nicht still. Um die Politik zum Handeln zu bewegen, setzen sie ein Jahr nach Annahme der Pflegeinitiative, am 26. November um 14.30 Uhr mit einer Aktion auf dem Bundesplatz erneut ein Zeichen. Save the date! 

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