Kämpferisch und zukunftsweisend: Der Schweizer Pflegekongress in Bern

Die Umsetzung der Pflegeinitiative, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit und die führende Rolle, die Pflegefachpersonen hier übernehmen müssen, das Potenzial der Pflegefachpersonen in der Grundversorgung oder in der Palliative Care: Das waren nur die Themen der Keynotes des Schweizer Pflegekongresses vom 5. und 6. Mai 2022 im Berner Kursaal.

länger. Bernadette Häfliger vom BAG erklärte, dass ein rascheres Vorgehen allein schon wegen der vorgegebenen Fristen kaum möglich sei. Auch bei einer optimistischen Betrachtung dauere es wohl bis 2025, bis eine Umsetzung realisiert werden kann. «Und so lange können wir nicht warten!», erklärte Ribi. Der SBK nimmt die Kantone in die Pflicht, die mit Zeitkompensationen, Arbeitszeitreduktionen und Zulagen rasch reagieren müssen. Denn bei der Umsetzung ist nicht nur das Parlament gefordert, das mit den Nationalrätinnen Barbara Gysi (SP) und Therese Schläpfer (SVP) an der Debatte am Kongress vertreten war. Während Gysi die Dringlichkeit der Umsetzung betonte, argumentierte Schläpfer mit hohen Kosten. GDK-Präsident Lukas Engelberger dankte den Pflegenden für ihre ausserordentliche Leistung während der Pandemie und betonte, dass die Kantone bereits viel in die Pflege investieren. Die Vertreter der Arbeitgeber Kristian Schneider (H+) und André Müller (Curaviva) bestätigten, dass zusätzliche Investitionen nötig seien um die Pflegenden im Beruf zu halten. Dafür brauche es mehr Mittel der Kantone. Denn bereits heute seien Betten und Operationssäle wegen Personalmangel geschlossen. Reto Wyss vom SGB zeigte auf, dass die Kantone über die Vorhalteleistungen im Covid-Gesetz die legale Basis haben, rasch zu handeln, allerdings fehle es am politischen Willen. Für den SBK Vertreter Alberto Mocchi aus der Waadt ist klar, dass rasch gehandelt werden muss. In seinem Kanton wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Für die anwesenden Pflegenden im Saal zeigte die Debatte deutlich, dass der gemeinsame Kampf weitergehen muss. «Wir lassen nicht locker!»  
 

Brennende Themen: Klimawandel, Grundversorgung, Palliative Care
Die Klimakrise ist auch eine Gesundheitskrise. Die amerikanische Pflegefachfrau und Geschäftsführerin der Alliance of Nurses for Healthy Environments Katie Huffling sieht Pflegefachpersonen in einer Leaderposition, um das Verständnis der Gesellschaft für diesen Zusammenhang zu fördern und sich für eine gesundheitsfördernde Politik einzusetzen. Séverine Vuilleumier, Professorin für Umweltgesundheit an der Fachhochschule für Gesundheit La Source in Lausanne verwies auf die doppelte Herausforderung des Klimawandels für die Gesundheitssysteme: Zum einen führt er zu einer Ausbreitung von Infektionskrankheiten, chronischen und psychischen Erkrankungen und neuen Pathologien. Zum anderen trägt das Gesundheitswesen zum Klimawandel und Schädigung der Umwelt bei. Der Einsatz für ein nachhaltiges Gesundheitswesen ist daher dringend. Diesen Punkt betonte auch Bea Albermann, Medizinstudentin, Klimaaktivistin und Mitbegründerin von Health for Future Switzerland.

Grundversorgung: WHO fördert und fordert Paradigmenwechsel und Investitionen in die Pflegefachpersonen – auch von der Schweiz
Die WHO hat globale strategische Leitlinien für das Pflege und Hebammenwesen definiert, das den Mitgliedstaaten und dem europäischen Regionalbüro einen Arbeitsplan für fünf Jahre vorgibt. Margrieta Langins ist Regionalbeauftragte für das Pflege- und Hebammenwesen bei der WHO/Europa. Sie wird in ihrer Keynote von heute Nachmittag die Versäumnisse aufzeigen, die dazu geführt haben, dass die Covid-Pandemie die Gesundheitssysteme mit voller Wucht traf. Für die zukünftige Grundversorgung sind Advanced Practice Nurses ein entscheidender Faktor, wie Prof. Maya Zumstein-Shaha von der Berner Fachhochschule aufzeigen wird, auch aufgrund des Mangels an Hausärzt:innen. Annie Oulevey Bachmann wird darauf eingehen, wie Pflegefachpersonen, z.B. in der Spitex, zur Prävention und Gesundheitsförderung für pflegende Angehörige beitragen können. Mehr hochqualifiziertes Pflegepersonal mit Masterabschluss in den Pflegeheimen kann die Lebensqualität der betagten Bewohner:innen massiv verbessern; die fachliche Entwicklung fördern und so die Berufsverweildauer erhöhen, wie Ursula Wiesli, Pflegeexpertin ANP aufzeigen wird.

Palliative Care: Die Rolle der Pflege und die Aufgaben der Politik
Bereits am Donnerstag skizzierte Prof. Philip Larkin vom Lehrstuhl für Palliative Care in Lausanne seine Zukunftsvision für den Beitrag der Pflege in der Palliative Care. Dan Lecocq, unter anderem Professor an der Fachhochschule La Source in Lausanne präsentierte das Humanistische Partnermodell im Gesundheitswesen. Ständerätin und Präsidentin von Palliative.ch Marina Carobbio erarbeitete in ihrem Referat die Aufgaben der Politik, um Palliative Care für die sterbenden Menschen und ihre Angehörigen zugänglich zu machen. Dabei spiele die Finanzierung der verschiedene Angebote eine zentrale Rolle. Ein entsprechender Vorstoss ist im Parlament hängig.

WHO-Preis für das Gesundheitspersonal
Der WHO-Regionaldirektor Europa Hans Kluge verlieh aus Anlass des internationalen Jahrs der Gesundheits- und Pflegefachpersonen (2021) den Arbeitnehmenden im Gesundheitswesen einen Award, in Anerkennung für den unermüdlichen Einsatz und das anhaltende Engagement zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden. Die Auszeichnung wurde von Brigitte Hofer, Leiterin Sektion Grundversorgung beim Bundesamt für Gesundheit BAG überreicht. Stellvertretend für alle Pflegenden nahmen Dominique Elmer (LangzeitSchweiz) und SBK-Präsidentin Sophie Ley den Preis entgegen.

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